Die Sicht der Dinge

 

Fünf Lochkamerainstallationen aus der Serie Die Sicht der Dinge.
Die Serie „Die Sicht der Dinge“ geht der Frage nach, was die Gegenstände, die uns umgeben von ihrer Umgebung „erkennen“ können: Was „sieht“ eine Bierdose, wenn sie auf den Trinkenden trifft? Was nimmt eine Kaffeekanne, die ihrem Kaffeefilter begegnet auf und wie sieht dieser Filter die Kanne ? Was können Frühstücksei, Salzstreuer, Steckdose, Lochzange, Schlüsselloch und das zu einer Schachtel gefaltete Fotopapier mit ihren eigenen oder manipulierten Lochblenden uns von ihrer Umgebung mitteilen?
Wie wir ja immer schon vermutet haben, sind es nicht nur wir, die einen Blick auf Dinge und Gegenstände der Umgebung werfen können: Die Dinge selbst betrachten ihr Umfeld und machen sich ein mehr oder weniger scharfes Bild von uns und ihrer Umwelt.

Wenn wir ihre Bilder, ihre Sicht der anderen Dinge, die in ihren Hohlräumen entstehen, verstehen wollen, müssen wir ihnen nur ein klein wenig mit fotografischem Material behilflich sein: Film, Fotopapier, Metallfolien und chemische Prozesse lassen uns dann teilhaben an der eigenen Sicht der Dinge.


Die Origami- Elements ( zwei Blatt Fotopapier, rückseitig eingefärbt, gefaltet und belichtet, 15x15x15cm L/B/H, zwei Lochblenden in Boden und Deckel)ist die einfachste Kamera der Welt, denn sie lässt die fotografischen Trägerschichten selbst zur Kamera, zur Schachtel, werden. Weitere „Faltkünste“ (Papierflieger und Papierschiffchen) bildet sie auf ihren Innenwänden ab.


Der Besuch aus Finnland ( Bierdose und Textilklebeband mit s/w-Foto, 30 x 40 x 15 cm L/B/H, eine Lochblende mit rotem Verschluss ) zeigt ein Bild der Gummimaske der „Leningradcowboys“, einer finnischen Kultband, sowie die passende Bierdose, die jene augenlose Hülle festgehalten hat.


Was war zuletzt da, …? ( leere Eierschale, Edelstahleierbecher, Eierwärmer, s/w- Foto, 40x30x6cm L/B/H, eine Lochblende ist das Luftloch im Ei) reflektiert den Anblick eines Huhns, das an einem zu großen Ei gestorben ist, aus der Sicht eines geleerten Frühstückseis.


Beim Zeitungslesen erwischt ( Lochzange, Aluminiumfolie, Textilklebeband, s/w- Foto, 40x60x5cm L/B/H, sechs Lochblenden auf den Lochpfeifen) wurde die Lochzange mit sechsperspektivischem und doch eingeschränktem Blick auf die Schlagzeilen einer anspruchsvollen Wochenzeitung.


Frühstück in der Normannenstraße ( Edelstahlkanne, Steingut-Kaffeefilter, schwarze Kunststoffklebefolie, zwei s/w- Fotos, 45x60x23cm L/B/H, drei Lochblenden im Kaffeefilter, eine im Kannendeckel ) zeigt, wie sich in einer ganz normalen Frühstückssituation die Dinge gegenseitig beäugen und observieren. Die unterschiedliche Wahrnehmung basiert dabei nicht nur auf den verschiedenen Perspektiven, sondern auch auf der Dreiäugigkeit des Kaffeefilters im Gegensatz zur einen Aufnahmeöffnung, die dem Fehlen des Griffknaufs am Kannendeckel zu verdanken ist.

Comments are closed.