Graphem

 

Fotografien von meinem Arbeitsplatz:
Dreißig Jahre Werkspuren von Schülern auf Kunstarbeitstischen.

Versehentliches Abrutschen und Durcharbeiten,
absichtliche Materialtests und
genussvolles Nachziehen und Vertiefen.
Schwungvolles Anecken beim Tischerücken
und oberflächengebremstes Ablegen der Werkzeuge.

Hammer, Schnitzmesser, Feilen, Laubsägen, Schraubendreher, Spachtel und Dreikantschaber im Einsatz.
Schuleinsatz.
Der Kunstlehrer gibt die Arbeitsplatten zur Gestaltung frei.
Kratzer, Risse, Eindrücke und Abplatzungen.
Sie erzählen vom Unterricht:
Von der Langeweile,
von der Lust am Hinterlassen eigener Spuren,
dem Spaß an Zerstörung.

Und sie schreiben die Geschichten vom Nebenbei:
Vom Werkzeug, das immer wieder an der gleichen Stelle abrutscht.
Von der Grafik, wenn sich der Staub in den Ritzen festsetzt.
Von dem Druck, der zu groß wird für die spröde Oberfläche.

Alle anderen Geschichten erzählen die kleinen Einheiten
der abgelichteten Kratzer an meinem Arbeitsplatz selbst.

Grapheme (auch: Grafeme) sind die kleinsten aufeinanderfolgenden bedeutungsunterscheidenden Einheiten des Schriftsystems einer bestimmten Sprache. Sie sind abstrakte Abbilder orthographischer und grammatikalischer Konventionen. Zu den Schriftzeichen gehören auch Zeichen zur Strukturierung des Textes, wie zum Beispiel Satzzeichen.
(Wikipedia)

 

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